Eine Zeitreihe mit \(T\) Beobachtungen können wir zunächst als Vektor schreiben:
\[
\mathbf{y}
=
\begin{pmatrix}
y_1\\
y_2\\
\vdots\\
y_T
\end{pmatrix}.
\]
Wie bei der gewöhnlichen Korrelation interessieren uns nicht die absoluten Werte, sondern ihre Abweichungen vom Mittelwert. Wir zentrieren daher die Zeitreihe:
\[
z_t = y_t-\bar y
\]
und erhalten den zentrierten Vektor
\[
\mathbf{z}
=
\begin{pmatrix}
z_1\\
z_2\\
\vdots\\
z_T
\end{pmatrix}.
\]
1. Wir duplizieren den Vektor und verschieben ihn
Für einen Lag \(k\) vergleichen wir die Zeitreihe mit einer um \(k\) Zeitpunkte verschobenen Kopie ihrer selbst.
Nehmen wir beispielsweise \(T=6\) und \(k=2\):
| ursprüngliche Reihe |
\(z_1\) |
\(z_2\) |
\(z_3\) |
\(z_4\) |
\(z_5\) |
\(z_6\) |
| um 2 verschobene Reihe |
|
|
\(z_1\) |
\(z_2\) |
\(z_3\) |
\(z_4\) |
Damit stehen sich nur noch folgende Werte gegenüber:
\[
(z_3,z_1),\quad
(z_4,z_2),\quad
(z_5,z_3),\quad
(z_6,z_4).
\]
Die Werte ohne Gegenüber werden nicht für diesen Lag verwendet.
Allgemein bleiben bei Lag \(k\) also \(T-k\) Paare übrig.
2. Aus den überlappenden Werten werden zwei Vektoren
Für Lag \(k\) erhalten wir
\[
\mathbf{z}^{(1)}_k
=
\begin{pmatrix}
z_{k+1}\\
z_{k+2}\\
\vdots\\
z_T
\end{pmatrix},
\qquad
\mathbf{z}^{(2)}_k
=
\begin{pmatrix}
z_1\\
z_2\\
\vdots\\
z_{T-k}
\end{pmatrix}.
\]
Beide Vektoren besitzen die Dimension \(T-k\).
Jetzt können wir dieselbe geometrische Idee verwenden wie bei der gewöhnlichen Korrelation:
Zeigen die beiden Vektoren in eine ähnliche Richtung?
Das messen wir zunächst durch ihr Skalarprodukt:
\[
\left(\mathbf{z}^{(1)}_k\right)^\top
\mathbf{z}^{(2)}_k.
\]
Ausgeschrieben ist dies
\[
\sum_{t=k+1}^{T}
(y_t-\bar y)(y_{t-k}-\bar y).
\]
3. Was sagt das Skalarprodukt aus?
Zeigen beide Vektoren ungefähr in dieselbe Richtung, ist das Skalarprodukt positiv.
\[
\left(\mathbf{z}^{(1)}_k\right)^\top
\mathbf{z}^{(2)}_k > 0
\]
Das bedeutet: Hohe Werte relativ zu \(\bar y\) treten häufig zusammen mit hohen Werten \(k\) Perioden zuvor auf – und niedrige mit niedrigen.
Zeigen sie eher in entgegengesetzte Richtungen, ist das Skalarprodukt negativ.
Besonders wichtig ist der Fall
\[
\left(\mathbf{z}^{(1)}_k\right)^\top
\mathbf{z}^{(2)}_k = 0.
\]
Dann stehen die beiden Vektoren orthogonal aufeinander:
\[
\mathbf{z}^{(1)}_k \perp \mathbf{z}^{(2)}_k.
\]
Es gibt dann keinen linearen Zusammenhang bei Lag \(k\).
4. Vom Skalarprodukt zur Autokorrelation
Wie bei der Pearson-Korrelation müssen wir das Skalarprodukt noch normieren. Die in der Zeitreihenanalyse übliche Stichprobenautokorrelation lautet
\[
r_k
=
\frac{
\displaystyle
\sum_{t=k+1}^{T}
(y_t-\bar y)(y_{t-k}-\bar y)
}{
\displaystyle
\sum_{t=1}^{T}
(y_t-\bar y)^2
}.
\]
Der Nenner verwendet die gesamte quadrierte Länge des zentrierten Zeitreihenvektors:
\[
\|\mathbf z\|^2
=
\sum_{t=1}^{T}(y_t-\bar y)^2.
\]
Damit wird das Skalarprodukt auf eine gemeinsame Skala normiert und wir können \(r_k\) für verschiedene Lags \(k\) miteinander vergleichen.
Die Autocorrelation Function (ACF) stellt schließlich \(r_k\) für verschiedene Lags \(k\) dar.
Typische Fehlvorstellung:
\(r_k=0\) bedeutet nicht, dass die Beobachtungen vollständig unabhängig sind. Es bedeutet zunächst nur, dass für diesen Lag kein linearer Zusammenhang vorliegt. Nichtlineare Abhängigkeiten können trotzdem existieren.